H2 als Kraftstoff
Eigenschaften
Herstellung
Reinigung
Speicherung
Betankung
H2-Motor
Vergleich
Ausblick
Ergebnisse
Literatur
Betankung:
Die im folgenden geschilderte
Tankprozedur entspricht dem technischen Standard von 1992. Damit gibt sie
nicht den heutigen Stand wieder, zeigt aber sehr deutlich alle notwendigen
Schritte und zu berücksichtigenden Punkte.
Das Umfüllen von flüssigem
Wasserstoff vom Standtank in den Fahrzeugtank erfolgt durch Überdruck
im Standtank. Mittels eines am Standtank montierten Druckaufbau-Verdampfers
können vor der Betankung maximal 4 bar Überdruck eingestellt
werden. Hinter dem Absperrventil wird der benötigte Wasserstoff über
ein vakuumisoliertes Leitungssystem und einen ebenfalls vakuumisolierten
flexiblen Metall-Wellschlauch zum Fahrzeugtank geleitet.
Die Schnittstelle ist eine
Johnston-Cox-LH2-Kupplung. Hierbei handelt es sich um ein vakuumisoliertes
Rohrstück, das in ein konzentrisches, ebenfalls vakuumisoliertes Gegenstück
eingeführt und mit diesem verschraubt wird. Da beim Abkühlen
des Leistungssystems auf Temperaturen von -253 °C und beim Füllen
des Fahrzeugtanks LH2 verdampft, muss eine weitere Schlauchverbindung
zum Ableiten dieses GH2-Abgases (gasious hydrogen) vorgesehen werden. Da
das GH2-Abgas aber annähernd LH2-Temperatur erreicht, ist die Abgasleitung
ebenfalls vakuumisoliert. Dies geschieht zur Vermeidung der an den kalten
Leitungsoberflächen ansonsten stattfindenden Luftkondensation und
der Verletzungsgefahr.
Hinter dem Abgasanwärmer
(Umgebungsluft-Wärmetauscher) wird der auf annähernd Umgebungstemperatur
angewärmte GH2-Abgasvolumenstrom durch ein Drosselventil geregelt.
Dadurch kann die LH2-Betankung von Versuchsfahrzeugen bei unterschiedlichen
Druckdifferenzen zwischen Standtank und Abgasleitung bzw. Fahrzeugtank
untersucht werden. Der entspannte gasförmige Wasserstoff wird anschliessend
über den Abgaskamin in die Atmosphäre abgegeben. Sämtliche
Leitungssysteme, die während der Betankung auf die Temperatur des
LH2 abgekühlt werden, müssen vor dem Ankuppeln des Fahrzeugs
durch Evakuierung und Spülen gründlich von Luft und eventuell
eingedrungener Luftfeuchtigkeit befreit werden.
Zum Evakuieren wird eine
auf das Leitungssystem abgestimmte Vakuumpumpe eingesetzt. Das neben GH2
zum Spülen des Leitungssystems benötigte Helium wird über
Gasflaschen zur Verfügung gestellt. Um auch im Winter einen störungsfreien
Betrieb zu gewährleisten, wird die Vakuumpumpe thermostatgeregelt
beheizt. Ausserdem wird nach der Befüllung des Fahrzeugs das
zum Anwärmen der Kupplung notwendige GH2 bei Bedarf in einem elektrischen
Heizer erwärmt.
1997 waren die Kupplungselemente
so weit modifiziert, dass die Verbindung bei Umgebungstemperatur hergestellt
werden kann, ohne dass die Kupplungsteile zeitintensiv gekühlt
bzw. wieder aufgewärmt werden müssen.
Der Start des Betankungsablaufs
erfolgt nach Herstellen der mechanischen und elektrischen Verbindungen
vom Steuerpult der Bedienwarte aus. Die einzelnen Betankungsschritte könne
sowohl durch manuelles Schalten von Ventilen als auch automatisch über
eine speicherprogrammierbare Steuerung durchgeführt werden. Die in
den jeweiligen Systemabschnitten herrschenden Drücke und Temperaturen
sowie Füllstand und die aktuellen Ventilstellungen werden am Steuerpult
angezeigt und mit einer separaten Messwerterfassung aufgezeichnet.
Beim Überschreiten von Grenzwerten oder Ansprechen der Gaswarnanlage
wird die Betankung unterbrochen, und alle Ventile werden geschossen.
Für das eigentlichen
Betanken werden ca. 5 min benötigt. Evakuieren und Spülen des
Leitungssystems mit Helium und GH2 sowie das spätere Anwärmen
der Kupplung erfordern etwa knapp die Hälfte der kompletten Zeit.
- Ankuppeln: 1 min
- Evakuieren/Spülen:
5 min
- Abkühlen: 2 min
- Tanken: 5 min
- Anwärmen: 3 min
- Inertisieren/Abkuppeln:
2
min
gesamt: 18 min
Mittlerweile hat sich die
Betankungszeit auf 3 min reduziert.
Die Befüllrate nimmt mit abnehmender LH2-Siedetemperatur deutlich
zu. So kann der Fahrzeugtank bereits bei einer Verringerung der Siedetemperatur
im Standtank von 26 auf 24 K in weniger als der halben Zeit befüllt
werden.
Wenn die Druckdifferenz
zwischen Stand- und Fahrzeugtank zu gross wird (> 1,5 bar) und dadurch
der Druck im Fahrzeugtank unter den Siededruck sinkt, verdampft dort so
viel Wasserstoff, bis der Gleichgewichtszustand wieder erreicht wird. Die
Befüllrate kann aus diesem Grund bei Erreichen des Gleichgewichtssiededrucks
nicht weiter erhöht werden. Vielmehr nehmen mit steigender Druckdifferenz
die Verdampfungsverluste zu. Die Verdampfungsverluste beim Befüllen des LH2-Fahrzeugtanks
können reduziert werden, wenn unterkühlter Flüssigwasserstoff
aus dem Standtank verwendet wird.
Im Leitungssystem tritt während
des Betankungsvorgangs immer ein gewisser Druckabfall zwischen Standtank
und Fahrzeugtank auf. Wenn jedoch der Wasserstoff unterkühlt ist,
kommt es erst zu einem Ausgleich der Drücke, bis der Gleichgewichtszustand
eingetreten ist. Erst dann kommt es zu einer Verdampfung. Ausserdem
kann zu Beginn des Füllvorgangs die von den Wänden des durchströmten
Leitungssystems abgegebene Restwärme zunächst noch von der Flüssigkeit
aufgenommen werden, bevor die Siedetemperatur erreicht wird.
Bei diesem hier veröffentlichten Text handelt es sich um eine gekürzte Zusammenfassung der Studienarbeit von Dipl.-Ing. Sven Geitmann über Wasserstoff und Brennstoffzellen aus dem
Jahr 1998, allerdings ohne die dazugehörigen Abbildungen. Weiterführende, aktuellere Daten (inklusive der Abbildungen) finden Sie im Buch sowie auf verschiedenen CD-Rom von Sven Geitmann.