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Wissen / Wasserstoff Autos - Brennstoffzellen Projekte


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Die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technik gilt als die Zukunftstechnologie des neuen Jahrtausends. Innerhalb der letzten Jahre sind ungeheuer viele neue Projekte in Angriff genommen worden, so dass es schwierig ist, den Überblick zu behalten.

Hier sind einige dieser Projekte und Aktivitäten aufgelistet - allerdings mit dem Stand von 1999 und ohne die dazugehörigen Abbildungen. Weiterführende, aktuellere Daten (inklusive der Abbildungen) finden Sie im Buch Wasserstoff-Autos, auf der CD-Rom von Dipl.-Ing. Sven Geitmann sowie auf der Seite: www.wasserstoff-autos.info.


1. Ballard
Bei der Firma "Ballard Power Systems" handelt es sich um den inzwischen wohl größten Brennstoffzellen-hersteller weltweit. Der Gründungsvater Geoffrey Ballard, Erfinder und Unternehmer, bezeichnet als Pionier der Brennstoffzellen-Technik, sagte einmal über seinen Traum: Ich will, daß "meinen Enkeln eine bessere Umwelt garantiert wird."

Firoz A. Rasul, Ballard-Präsident:
"Der Bekanntheitsgrad von Ballard und seinen Bemühungen ist 1997 enorm gestiegen und ist in vielen führenden Magazinen erschienen. Brennstoffzellen, mit ihrer Aussicht auf saubere, effiziente Energie, haben sich in den Mittelpunkt geschoben."

Ballard Power wird von zwei Analysten im US-Anlegermagazin "Barron`s" als eine der zehn aussichtsreichsten Aktien der kommenden Jahre bezeichnet und dabei in einem Atemzug mit ungleich größeren Multis wie Hewlett-Packard, Royal Dutch Shell oder Sony genannt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Kaufempfehlung der Ballard-Aktie. Wer glaubt, daß mit Umweltschutz am Aktienmarkt kein Geld zu verdienen ist, muß sich anscheinend eines Besseren belehren lassen: Die Aktie von Ballard Power Systems verzeichnet seit Anfang 1997 etwa 300% Kursgewinn. Mittelfristig dürfte sich der Anstieg fortsetzen.
Im Laufe der Jahre hat sich Ballard vom kleinen Betrieb zu einem wichtigen Entwicklungsunternehmen entwickelt. Neben Brennstoffzellen für die mobile Anwendung plant und produziert die Firma auch stationäre Generatoren.
Ballard Generation Systems (BGS) und ALSTHOM versorgen den europäischen Markt bereits mit Kraftwerken. BGS wird ab 1998 die Alpha-Einheit einer 250 kW Anlage bauen und testen, um sie 2001 auf den Markt zu bringen. Die Leistung von diesem Generator reicht aus, um z.B. kleine Hotels oder Einkaufszentren versorgen zu können.
Schwerpunkt bei Ballard ist die Forschung und Weiterentwicklung von Brennstoffzellen für Autos und Busse. Bezüglich der Fortschritte im Bussektor sind folgende Meilensteine zu verzeichnen:
· Juni 1993: Brennstoffzellenbus (Zero-Emission-Vehicle Bus) mit 125 PS/90 kW
· Juni 1995: Brennstoffzellenbus (275 HP Bus) mit 275 PS/205 kW, 400 km Reichweite
· März 1998: zweijähriges Demonstrationsprogramm, bei dem der reguläre Betrieb von drei Bussen in Chicago von CTA getestet wird.

Dieses jetzt in Angriff genommene Demonstrationsprogramm ist in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium von Chicago und Ballard entstanden. Die Busse werden von der Chicago Transit Authority (CTA), Chicago/USA, im öffentlichen Verkehr eingesetzt und sind somit weltweit die ersten zero-emission Brennstoffzellenbusse im normalen Personenverkehr.
Jeder der drei Busse kostete $1,6 Mio. Die Tankstelle mit dem Wasserstoff kostete $9 Mio.
Ebenfalls drei Busse mit Brennstoffzellenantrieb gehen als Prototypen für den Stadtverkehr an die BC Transit, British Columbia/Kanada.

Entwicklung und Kosten:
Ballard hat eine Studie veröffentlicht, nach der jährlich weltweit schätzungsweise 170.000 Busse verkauft werden, wobei allein die USA 30% davon tragen. Mittelklasse Busse für Flughafenverkehr und Vororte werden jährlich weltweit ca. 75.000 verkauft. Ballard plant dafür einen 100 kW Methanol-Bus (135 HP) für 30 Personen mit einer Reichweite von 550 km heraus zu bringen.
Die kanadische Firma baut einen Prototypen für die Universität Georgetown mit einem "onboard"-Reformer, um Methanol in Wasserstoff zu spalten. Dieser Prototyp soll 1999 fertig und in den Jahren 2001-02 auf dem Markt sein. Die Kosten für diesen Typ werden sich vorerst auf ca. $55.000 belaufen, bis zum Jahr 2005 abnehmend auf $12.000. Vergleichsweise kostet eine Dieselmaschine $14.000.
Der von CTA getestete Bus (275 HP) für 65-75 Personen mit einer Reichweite von 550 km wird 1999 auf dem Markt erwartet. Die Kosten für den Motor werden sich voraussichtlich auf $240.000 belaufen, günstiger werdend bis zum Jahr 2005 auf $30.000. Der gesamte Fahrzeugpreis wird geschätzt auf $550.000 ($300.000 im Jahr 2005). Zum Vergleich kosten herkömmliche Dieselbusse $225.000, Erdgasbusse $300.000 und Elektrobusse (Oberleiter) alles in allem $600.000.
Bei Schwerlastwagen (8-Tonner) ist ein Bedarf von ca. 900.000 Stück weltweit. Ballard sieht für diesen Bereich eine Methanolmaschine mit 200 kW (250 HP) ähnlich dem 275 HP vor.
Bei den Autos liegt der Bedarf insgesamt bei 30 Mio. jährlich. Ballard plant gemeinsam mit Daimler-Benz einen Methanol-Pkw mit 50 kW (70 HP). Der Prototyp könnte 2000 fertig sein. Der Verkauf könnte 2003-2004 beginnen. Der Preis für den Motor beträgt $10.625; runter bis 2005 auf $3.375. Zum Vergleich: ein Verbrennungsmotor kostet $3.000-4.000.

Tab. 1: geschätzte Kostenentwicklung in US-Dollar pro Kilowatt und geschätzte Entwicklung der Gesamtleistung in Megawatt

 

1998

1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Auto [$/kW]

          65 45 32 29 26

Bus [$/kW]

500

400 200 150 120 100 65 45 40 35

Ges.leist. [MW]

-

1 3 8 36 150 2310 6150 11700 20500
Quelle: Ballard

Brennstoffzelle:
Es ist Ballard in den letzten Jahren gelungen, die Leistungskonzentration der mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle wesentlich zu erhöhen (1 kW/kg bzw. 2 kW/l ohne zugehörige Systeme; 0,15 kW/kg im Stapel für Fahrzeuge).
1995 erreichten Ballard/Daimler lediglich eine Leistungsdichte von 1000 Watt/Liter.

Tab. 2: Vergleich verschiedener Autofabrikanten

BSZ

Hersteller

Fahrzeug Datum Kraftstoff Dichte Leistung
Ballard Daimler NECAR-I 1994 Wg 180W/l 50kW

Ballard

Daimler

NECAR-II 1996 Wg 1000W/l 50kW

Ballard

Daimler

NECAR-III 1997 Mf 1000W/l 50kW

Toyota

Toyota

FCEV 1996 Wg 167W/l 20kW

Toyota

Toyota

FCEV 1997 MF 193W/l 25kW

DeNora

Renault

FEVER 1997 Wf 130W/l 30kW
Quelle: Ballard
Wg: Wasserstoff, gasförmig
Wf: Wasserstoff, flüssig
Mf: Methanol, flüssig

Die Stacks tragen 40% für die Brennstoffzelleneinheit bei. Der Elektrolyt der PEM ist abgeleitet von Teflon.
Anstelle diese Elemente weiterhin von Dow oder DuPont zu kaufen, hat Ballard ein eigenes Verfahren entwickelt und könnte so die Kosten hierfür auf ein Siebtel reduzieren.
Um die Kosten für den Platin-Katalyten zu verringern, muß die Platinmenge minimiert werden, die auf den Katalyten aufgebracht werden muß. Bis jetzt wurde diese Zahl bereits um 90% verringert, kann aber noch weiter heruntergeschraubt werden.
Indem andere Herstellungsverfahren für die Platten (bzw. die Kanäle in den Platten) gefunden werden - wie z.B. Pressen unter Wärmezufuhr - könnten diese Kosten um 98% reduziert werden.

Tab. 3: geschätzte Kosten pro Kilowatt der einzelnen Brennstoffzellen-Komponenten

US$/kW

1999

2010

Platin-Katalysator

65

6

Polymer-Membran

70

10

Platten

80

2

sonstiges

15

2

gesamt

230

20

Zur Zeit sind Brennstoffzellen für den Gebrauch in Fahrzeugen noch 10mal oder 15mal zu teuer, um konkurrenzfähig zu sein.

Zukunftsentwicklung:
Ende 1998 soll NeCar 4 präsentiert werden. (Nachtrag: NeCar 4 wurde im März 1999 präsentiert.) Ebenfalls ein A-Klasse-Auto, allerdings mit einem halb so großem Reformer, der im Rumpf des Fahrzeuges integriert sein soll, so daß die Rücksitzbank wieder eingebaut werden kann.
NeCar 5 wird für den Herbst 1999 erwartet und soll nochmals um den Größenfaktor von zwei reduziert werden. Auf der Grundlage dieses Autos soll entschieden werden, ob die Serienproduktion in Angriff genommen werden soll. Diese Entscheidung wird Ende 1999 erwartet, so daß die Markteinführung im Jahre 2004 geschehen könnte, was von Ballard und Daimler-Benz auch so geplant ist.

 


BMW
BMW ist eine der wenigen Firmen, die in ihrem Konzept für die Zukunft nicht auf Brennstoffzellen sondern auf wasserstoffbetriebene Verbrennungsmotoren setzen.
Den ersten Versuchswagen gab es 1979. Damit zählen die Bayerischen Motoren Werke zu den Automobilhersteller mit der längsten Erfahrung bei Wasserstoffantrieben.
Mittlerweile existiert dieses Wasserstoffauto in der vierten Generation.
Die Strategie, die im Hause BMW verfolgt wird, gliedert sich in drei Schritte:

1. Schritt: Nutzung von komprimiertem Erdgas (CNG)
· Betrieb eines Zweistoffmotors mit Erdgas und Benzin, weil noch kein dichtes Tankstellennetzwerk für Gas besteht
· Reichweite mit Erdgas: 200-250 km
· seit 1995 auf dem Markt
· BMW ist auf diesem Gebiet Erster in Europa

2. Schritt: Wechsel zu flüssigem Erdgas (LNG)
· ausschließlich Erdgasbetrieb
· Betankung mit CNG oder LNG an Flüssiggas-Tankstellen
· größere Reichweite (70% von benzinbetriebenen Autos), wegen höherer Energiedichte im Vergleich zu CNG

3. Schritt: Wasserstoffauto
· flüssiger Wasserstoff (-253°C)
· Übernahme der Erfahrungen aus der LNG-Technik
· Energie für Elektrolyse aus regenerativer Energie

Erdgas stellt nach Meinung der BMW-Ingenieure einen logischen Zwischenschritt dar. Nach Wasserstoff ist Erdgas der Energieträger mit dem höchsten Wasserstoffgehalt und in seinen Stoffeigenschaften dem Wasserstoff am nächsten verwandt.
Bei Zweistoffbetrieb, wie er im 1. Schritt vorgesehen ist, liegt der Wirkungsgrad etwa gleich mit dem normalen Benzinbetrieb. Lediglich die maximale Leistung ist bei Erdgas etwas geringer. Seit Januar 1997 unterschreiten die Erdgasfahrzeuge die ULEV-Grenzwerte.
Eine Variante mit hochkomprimiertem gasförmigem Wasserstoff für Pkws wird wegen geringerer Reichweite kaum verfolgt.
Die Motoren sind abgeleitet vom herkömmlichen Ottomotor. Bewährt haben sich dabei bis heute Maschinen mit 2,5 bis 5,4 l Hubraum und einer Leistung von 80-150 kW. Für die zukünftige Entwicklung konzentrieren sich die Forscher auf den 2,8 l 6-Zylinder-Motor.
Seit Anfang 1989 betreibt die bayerische Firma die weltweit erste Prüfanlage für Wasserstoffmotoren mit einem umfassenden Sicherheitssystem. Aufgrund der daraus erlangten Erkenntnisse wird die Auffassung vertreten, unkontrollierte Gemischzündung ohne aufwendige Maßnahmen beherrschen zu können, z.B. durch Wassereinspritzung oder Direkteinspritzung.
1997 entwickelte der Betrieb einen neuen Tank mit 140 Liter Volumen, so daß er etwa 1/3 des Kofferraumvolumens einnimmt. Darin wird der flüssiger Wasserstoff bei -253°C gespeichert. Die Isolationsschicht konnte von 5 cm auf 2,5 cm halbiert werden, was einem 4 m dicker Styropormantel entspricht. So ist es möglich, mit einer Tankfüllung 400 km weit zu fahren.
Fundierte Prognosen für den Serienstart gibt es derzeit nicht.

Dipl.-Ing. Wolfgang Strobl, (Leiter Forschung Energiesysteme):
"Das erste Wasserstoffauto in Kundenhand sehen wir im nächsten Jahrzehnt. Natürlich ist es auch dann noch ein weiter Weg bis zu einem breiten Einsatz dieser Zukunftstechnologie."

 


Chrysler
Chrysler, Detroit/USA verfolgt ein Benzin/Stromkonzept und arbeitet nach dem Zusammenschluß mit Daimler gemeinsam an der Brennstoffzellen-Technik.
Das Betriebssystem beim Chrysler-Konzept besteht aus einem Teilverbrennungsreaktor und diversen Katalysatoren, die die Kohlenwasserstoffverbindung des Kraftstoffs (Benzin) nahezu rückstandsfrei in Kohlendioxid, Wasser und Wasserstoff aufspalten. Letzterer wird zusammen mit Luft in eine Brennstoffzelle eingespeist. Dort vollzieht sich die Reaktion, zur Erzeugung von Energie, die über Elektromotoren die Räder antreibt.
Ein Konzept, nach dem die gesamte Anlage in einem Pkw Platz findet, hat Chrysler bereits entworfen. Anfang 1997 enthüllte Chrysler ein Modell ihres Brennstoffzellenfahrzeugs, das mit Benzin und einem Reformator von Arthur D. Little Inc. entwickelt wurde. 1999 soll das Fahrzeug fertig sein.
Mitte des nächsten Jahrzehnts könnte das System die Serienreife erreicht haben und auf den Markt kommen.

Funktionsweise:
Das aus dem Kraftstofftank kommende Benzin wird in einem Verdampfer erhitzt und in gasförmigen Zustand gebracht, um eine möglichst rückstandsfreie Verbrennung zu garantieren. Ein Teilverbrennungsreaktor (Metallzylinder mit Zündkerze) trennt das Benzin grob in Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Kupfer- und Zinkoxidkatalysatoren wandeln unter Hinzufügen von Wasserdampf das Kohlenmonoxid nahezu vollständig in ungiftiges Kohlendioxid um. Zusätzlich entsteht weiterer Wasserstoff. Der verbleibende Kohlenstoffmonoxid-Anteil von etwa 1%, wird in der Nachverbrennungsphase mit Hilfe eines Platinkatalysators unter Luftzufuhr weitgehende zu Kohlendioxid transformiert. Der übrigbleibende Kohlenstoffmonoxid-Anteil sinkt unter 1/1000%. Der gewonnene Wasserstoff wird in der Brennstoffzelle mit dem Sauerstoff der Außenluft zusammengeführt. Es entsteht elektrischer Strom, der in Batterien eingespeist wird und die Elektromotoren an den Hinterrädern antreibt. Als Emissionen entstehen fast ausschließlich Kohlendioxid und Wasser.
Kaum ein anderes Industrieprodukt ist nach Meinung von Chrysler Forscher Borroni-Bird einem derart rapiden Preisverfall ausgesetzt wie die Brennstoffzellen. "Noch vor wenigen Jahren wäre sie um den Faktor 1000 teurer als Motoren. Das gibt doch Anlaß zur Hoffnung."

 


Daimler Benz
Daimler-Benz ist zusammen mit Ballard einer der wichtigsten und weitesten Entwicklungsunternehmen im Bereich der Wasserstofftechnik. Beide Firmen wollen insgesamt rund 580 Mio. DM in die gemeinsame Entwicklung und den Vertrieb von Brennstoffzellen und -Systemen einbringen.
Innerhalb der letzten Jahre wurden mehrere Brennstoffzellenfahrzeuge vom Projekthaus Brennstoffzelle (dbb fuel cell engines - Daimler Benz-Ballard-Gemeinschaftsunternehmen) vorgestellt, die jeweils aufeinander aufbauten. Dieses Jahr wurde das NeCar 3 vorgestellt und es existieren bereits Gerüchte vom NeCar 4.
Daimler-Benz will unbedingt zuerst ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug zum Verkauf anbieten. Das Unternehmen ist derart überzeugt von seinem Vorhaben, daß sie angeben, im Jahre 2004 wird der NEBUS vom Band rollen. Auf jeden Fall wollen sie der erste Automobilhersteller sein, der ein Brennstoffzellenauto in Serienreife auf den Markt bringt.
Ab 2005 sollen jährlich 100.000 Brennstoffzellenautos vom Band laufen. Die Größenordnung dieser Zahl wird deutlich, wenn man dazu sagt, daß der weltweit 15tgrößte Automobilhersteller zur Zeit 700.000 Autos produziert.
Nach Äußerungen der Vorstände wollen sich Ford und Daimler-Benz Zeit lassen bis Ende nächsten Jahres (1999), um sich dann zu entscheiden, wer der Gewinner sein wird beim Wettlauf um den Kraftstoff der Brennstoffzelle: Methanol oder Benzin.

Jürgen Hubbert, Vorstandsmitglied Daimler-Benz auf der IAA 97 in Frankfurt/M:
"Wir wollen unser Know-how und unsere Kapazitäten bündeln, um die ersten zu sein, die ein Serienfahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb am Markt anbieten. - Die Ziellinie sehe ich nicht vor dem Jahr 2005"

Dr. Ferdinand Panik, Leiter des Projekthauses Brennstoffzelle im Oktober 1997:
"Das nächste Fahrzeug der NECAR-Klasse soll ein echter Viersitzer sein, innerhalb der nächsten acht Jahre soll das erste Serienfahrzeug vom Band rollen."

Im September 1998 hatte Daimler erklärt, bisher koste jedes Kilowatt Leistung eines Brennstoffzellen-Motors 5.000 bis 10.000 Mark.
Mehr als 200 Prototypen mit unterschiedlichsten Systemlösungen und Antriebsvarianten sind bis heute von Daimler-Benz getestet und untersucht worden. Darunter befanden sich Pflanzen-, Methanol-, Misch-, Wasserkraftstoff, Erdgas, Elektrofahrzeuge, Hybridfahrzeuge, Radnabenantrieb sowie die Brennstoffzelle.
Angefangen hat alles vor über 20 Jahren mit dem angesprochenen Metallhydrid:
Anfang der siebziger Jahre entschieden sich die Forscher bei Daimler-Benz zur Entwicklung eines fahrzeugtauglichen Metallhydridspeichers.
Als erstes Wasserstoffahrzeug der Welt wurde Mitte der siebziger Jahre ein Merzedes-Benz-City-Bus ausgerüstet mit einem Hydrid-Speicher. Diese Art von Wasserstoffantrieb mit äußerer Gemischbildung - der Motor bekam über das Saugrohr ein homogenes Wasserstoff-Luftgemisch eingeblasen - wurde im Pkw und im Transporter eingesetzt und getestet. Umfangreiche Erfahrungen konnten auch mit einem Flottenversuch von 1984 bis 1986 in Berlin gewonnen werden.
Genau zehn Jahre später (1985) gründeten Daimler-Benz und Mannesmann in Mülheim/Ruhr eine gemeinsame Tochtergesellschaft: die Gesellschaft für Hydrid- und Wasserstofftechnik GmbH (HWT).
Es wird immer noch an Metallhydriden geforscht, die Aussichten, daß damit in den nächsten Jahren tatsächlich ein Fahrzeug angetrieben werden könnte, sind jedoch eher gering. Der Schwerpunkt der Forschung hat sich seit 1991 auf das "Projekt: Brennstoffzelle" konzentriert. Die von Daimler-Benz im Forschungszentrum Ulm entwickelte Variante eines Brennstoffzellenautos nennt sich NeCar (New Electric Car).

NECAR I
Im April 1994 fand die erste Präsentation eines Brennstoffzellenfahrzeugs im Hause Benz statt. Damals handelte es sich um einen 3,5-Tonner, der vollgestopft war mit Technik. Es war ein Transporter auf Basis eines MB 180 für 2 Personen, der auch gerne als "rollendes Labor" bezeichnet wurde.
Das Brennstoffzellen-System verfügte über eine Leistung von 50 kW (Leistungsgewicht: 21 kg/kW bei einer Spannung von 130-230 V). Die Einzelzellen waren in 12 Stacks zusammengeschaltet, mit denen eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erreicht werden konnte.

NECAR II
Im Mai 1996 erschien der Nachfolger.
· Großraum-PKW auf Basis der V-Klasse für sechs Personen
· Brennstoffzellen-System: Leistung 50 kW (Leistungsgewicht 6 kg/kW bei einer Spannung von 180-280 V)
· 300 Einzelzellen (je 0,6 V) in zwei Hochleistungsstacks hintereinander geschaltet
· 110 km/h Höchstgeschwindigkeit, Drehstrom-Asynchronantrieb 33 kW
· Wasserstoff-Drucktanks: zwei Flaschen a 140 l, Druck: 250 bar, Gesamtgewicht: 80 kg
· Reichweite 250 km mit einer Tankfüllung
· Reluktanzmotor für Kühlmittel-Lüfter (s. NECAR III)

NECAR 3
· erste Präsentation im September 1997 bei der IAA
· Pkw auf Basis der A-Klasse für zwei Personen, Länge: 3,57 m
· Brennstoffzellen-System: Leistung 50 kW, im Boden angebracht, weitere Komponenten anstelle der Rückbank eingebaut
· 300 Einzelzellen (je 0,6 V) in zwei Hochleistungsstacks hintereinander geschaltet
· 120 km/h Höchstgeschwindigkeit (elektronisch beschränkt); Asynchronantrieb
· Methanoltank: Reformierung im Kofferraum bis zu 2 ppm Kohlenstoffmonoxid
· Reichweite 400 km mit einer 38 l Tankfüllung

Methanol-Luft-Brennstoffzellensystem: Das im NECAR III eingesetzte Brennstoffzellen-System funktioniert folgendermaßen: Salzfreies Wasser wird mit Methanol vermischt, verdampft und bei einer Temperatur von 250-280 °C in Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid umgewandelt. Der Wasserstoff gelangt dann in die Brennstoffzelle, die ihn gemeinsam mit dem Sauerstoff der Luft katalytisch in Strom und Wasser umsetzt. Die Wärme, die man für das Verdampfen und den Reformierungsprozeß benötigt, stellt ein katalytischer Brenner bereit, der mit dem wasserstoffarmen Restgas der Brennstoffzelle betrieben wird. Die Stacks selbst nutzen nur etwa 75% des angebotenen Wasserstoffs. Sollte der Energieinhalt des Restgases nicht ausreichen, um den Brenner ausreichend zu erhitzen, kann man dazu auch Methanol aus dem Tank nutzen.
Der Verdampfer, der dem Reformer vorgeschaltet ist, wurde von 300 kg auf 3 kg reduziert.
 

NEBUS
· Präsentation (New Electric Bus) im Mai 1997
· Niederflurbus auf der Basis eines O 405 N
· Gesamtleitung für Fahrzeugsystem (inkl. Lenkhelfpumpen, Drucklufterzeugung und Türsteuerung): 190 kW; Gesamtleistung: 250 kW; (Leistungsgewicht 5,6 kg/kW bei einer Spannung von 720 V)
· zehn Hochleistungsstacks hintereinander geschaltet
· Spitzengeschwindigkeit: 80 km/h
· Tank: sieben glasfaserummantelte Aluminiumtanks auf dem Dach mit insgesamt 21 kg Wasserstoff unter 300 bar, Reichweite etwa 250 km, genügend für eine Tagesfüllung.
· Maße: 2,50 m breit, 3,50 m hoch, 12 m lang, 34 Sitz- und 24 Stehplätze, 14 t Leergewicht
· mittlerweile vom TÜV zugelassen
· Resultat der Zusammenarbeit der Daimler-Benz-Forschung, Mannheimer Omnibusbereich, "Kompetenzzentrum für emissionsfreie Nutzfahrzeuge" (KEN) der Daimler-Benz AG und Ballard Power Systems, Inc./Vancouver

Vorteile vom NEBUS:
· Leise, sauber, komfortabel, ohne Rucken oder vibrieren, wie sonst nur E-Fahrzeuge fahren.
· keine Speichersysteme wie Batterien oder Oberleitung
· kein Hybrid, kein Umschalten zwischen Elektro- und Dieselbetrieb
· Flottenbetrieb kompensiert die geringe Anzahl von Tankstellen
· Betankung von geschultem Personal an einer zentralen Stelle z.B. über Erdgasreformer direkt aus dem Erdgasnetz mit Wasserstoff
· gutes Verhältnis zwischen dem Aufwand der neuen Technik und der Zahl der beförderten Personen.
· Leistungsdichte ist fünfmal besser als bei NECAR I. Die Kisten mit den Brennstoffzellen (wie Batterien in die linke Seitenklappe am Heck des Busses) haben nun 25 kW statt 4,5 kW.
· Bei einem Zellenwirkungsgrad von 55% liefert das Brennstoffzellen-System im Schnitt eine 15% bessere Energieausbeute gegenüber einem dieselbetriebenen Bus.
· Er fährt wie ein normaler Stadtbus durch Mannheims Straßen.

Die Ingenieure von EvoBus in Mannheim haben einen elektrischen Radnabenantrieb eingebaut in Zusammenarbeit mit der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF). Er weist keine Getriebe und keine Kardanwelle auf, wie bei üblichen Systemen. Statt dessen übertragen radnahe Elektromotoren die Energie direkt auf die Räder. Der Radnabenmotor arbeitet beim Bremsen als Generator (Motorbremse) und produziert überschüssigen Strom, der in wassergekühlten Bremswiderständen auf dem Dach in Wärme umgewandelt und an die Luft abgegeben wird. Die Drehstrom-Asynchron-Motoren sind luftgekühlt und wartungsarm.
Spezielle adaptive Dämpfungsregelung von den Firmen Wabco und Fichtel&Sachs verhindert ein zu empfindliches Verhalten bei seitlichen Kräften, da Probleme wegen des hohen Schwerpunktes auftreten könnten (u.a. 1900 kg Dachlast durch Tanks, Leistungselektronik, Bordnetzumformer).

Im gesamten elektrischen Bordnetz gibt es drei unterschiedliche Spannungsniveaus:
a) 600 V für den Fahrantrieb und die Antriebsachse mit den Radnabenmotoren
b) 380 V für die Lenkhelfpumpe und den Druckluftkompressor
c) 24 V für die Bordspannungs-Versorgung sowie die Reserve-Lenkhelfpumpe
Die Elektrik verteilt den Strom sowohl an den Antrieb als auch an den 380-V-Kompressor für die Druckluftbremsanlage und die -federung. Bei einem Unfall schaltet die Wasserstoffversorgung aus und die Brennstoffzelle liefert keinen Strom mehr. Für die Bremsanlage ist jedoch noch genügend Druckluft gespeichert, um mehrere Male sicher bremsen zu können. Auch das hochübersetzende Getriebe läßt sich immer noch lenken.
Bengt Hamsten, Geschäftsführer Entwicklung bei EvoBus:
"Meiner Ansicht nach ist die Brennstoffzelle mit ihrem extrem guten Wirkungsgrad, ihrer Umweltfreundlichkeit sowie ihrer Leistung und Dynamik, die wenigstens so gut sind wie bei Dieselmotor, die Zukunftslösung für den Öffentlichen Personennahverkehr. Ich bin überzeugt, daß es uns in nicht all zu ferner Zukunft gelingen wird, die für die Serienreife notwendige Wirtschaftlichkeit des Brennstoffzellenantriebs zu erreichen."
 

Methanol
· CH3OH: ein Alkohol
· Energiedichte (flüssig): 5,6 kWh/kg = 4,42 kWh/l
· Methanol ist bei Zimmertemperatur flüssig.
· Besitzt einen geringeren Energieinhalt als Benzin oder Diesel. Der Methanol-Heizwert ist halb so hoch wie der von Benzin. Dieser Unterschied ließe sich jedoch über den hohen Wirkungsgrad der Brennstoffzelle ausgleichen.
· Die Herstellung kann kohlendioxid-neutral geschehen, da er aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden kann. Durch Anpflanzen von z.B. Chinagras und einer günstigen Verarbeitung wird der Atmosphäre die gleiche Menge Kohlendioxid entzogen, wie ihr bei seiner Verbrennung wider zugeführt wird.
· Ein geschlossener CO2-Kreislauf ist möglich. Zunächst wird CO2 aus der Atmosphäre im Methanol gebunden, dann wird es durch die Verbrennung im Fahrzeug in die Bestandteile CO2 und Wasser umgesetzt und gibt es wieder an die Atmosphäre.
· Methanol stellt die Industrie heute überwiegend aus Erdgas oder durch das Vergasen von Kohle her und ist somit nicht an den Primärenergieträger Erdöl gebunden. Erdgas ist in großen Mengen vorhanden, wird sogar z.T. bei der Erdölförderung einfach abgefackelt. Es läßt sich aus Biomasse wie Holzrückständen oder Deponiegas oder aus Prozeßgasen der chemischen Industrie herstellen.
· Methanol kann direkt im Verbrennungsmotor verwendet werden oder indirekt als Wasserstofflieferant, um im Fahrzeug selbst Wasserstoff zu erzeugen.
· Reformer = Gasaufbereitungsanlage, um Wasserstoff an Bord zu erzeugen; genau so viel, wie für den Augenblick notwendig ist.
· Reaktion: CH3OH + H2O = 3 H2O + CO2

Daimler-Benz-Prinzip:
Methanol kann technisch aus Erdgas hergestellt werden, d.h. Methanol kann in umgerüstete Speichertanks von Tankstellen gefüllt und ganz normal getankt werden. Die Infrastruktur wie das Tankstellennetz müßte kaum geändert werden.
So könnten nach Schätzungen von Daimler-Benz 30% weniger CO2 erzeugt werden im Vergleich zum herkömmlichen Verbrennungsmotor. Methanol-Verbrennung in einer Brennstoffzelle soll 30% günstiger sein als die Verwendung in einem Verbrennungsmotor. Würde Wasserstoff in Drucktanks zwischengespeichert und umgesetzt, ließen sich in der gesamten Kette 50% CO2 einsparen.
Stickoxide, Schwefeldioxide oder Kohlenwasserstoffe fallen nicht an.
Kritiker wenden ein, daß der Prozeß vom Methanol (das ja auch erst hergestellt werden muß) über Reformer und Brennstoffzelle zum Antrieb so viel Energie verbraucht, daß er weit schlechter abschneidet als optimierte Verbrennungsmotoren.
Dr. Jürgen Friedrich, Leiter Fahrzeuge und Antriebe:
"Wir arbeiten derzeit daran, Wasserstoff direkt an Bord des Fahrzeuges aus Methanol zu gewinnen. Gelingt dies - wir rechnen damit in den nächsten Jahren -, könnte man künftig den Treibstoff für die Brennstoffzelle ähnlich wie Benzin an jeder Tankstelle tanken."

 


EQHHPP
1989 wurde "Euro-Québec Hydro-Hydrogen Pilot Project" gestartet, das bis 1992 die technische und ökonomische Machbarkeit der Erzeugung, der Handhabung, des transatlantischen Transports und der Anwendungen von Wasserstoff untersuchte.
Bis 1998 wurden Anwendungstechnologien entwickelt und erprobt wie z.B.:
1. - Stadtbusse mit Flüssigwasserstoff und Verbrennungsmotor (Belgien, Deutschland)
2. - ein Stadtbus mit Brennstoffzelle und Elektromotor in Italien
3. - drei Stadtbusse mit Hythane-Druckgasspeicherung in Québec
4. - Emissionstests mit einem Sektor einer LH2-Brennkammer eines Airbustriebwerks
5. - Studien über heutige Fahrzeug- und Flugzeugemissionen im Vergleich zu Emissionen aus
H2-Antrieben am Beispiel von Los Angeles, London und München
6. - Studien über LH2-Transport-Container

Kanadische Ingenieure haben einen speziell auf die europäischen, amerikanischen und japanischen Verhältnisse zugeschnittenen zylindrischen High-Tech Transport- und Speicherbehälter ("Super E-Container") entwickelt. Dieser soll ein Volumen von 100 Kubikmetern haben und eine Speicherdauer von 60 Tagen ermöglichen. Nach Abnahme und Zertifizierung durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin werden die ersten Wasserstofftanks 1998 im Huckepackverfahren auf Europas Straßen und Schienen direkt bis zum Kunden unterwegs sein. [Bahbout, 1997]

Langfristig soll Wasserstoff das Mineralöl in Japan im Verkehrsbereich (rund 70 Mio. m3) ersetzen. Das japanische Ship Research Institute entwickelte ein Konzept zur solaren Erzeugung von Wasserstoff. Demnach soll auf 12.000 Pontonkonstruktionen im Südpazifik Strom über Photovoltaik erzeugt werden und daraus elektrolytisch und durch Verflüssigung jährlich 25 Mio. t LH2 gewonnen werden, das mit 270 großen Tankschiffen (je 125.000 m3) nach Japan transportiert werden soll.
Zur Realisierung dieses Vorhabens ist ein weiteres Projekt ins Leben gerufen worden, das "Project World Energy Network Using Hydrogen" (WE-NET).
Dieses Projekt befaßt sich mit der Bereitstellung von erneuerbarer Energie in Form von elektrolytisch erzeugtem Wasserstoff, der als LH2 mit Tankschiffen nach Japan geliefert wird. Als Energiequellen und deren Nutzungen werden Wasserkraft, Wind und Sonnenstrahlung betrachtet sowie Methanol, Ammoniak oder Zyklohexane. Es läuft von 1993 bis 2020 mit einem Budget von 5 Mrd. DM.
Zentraler Punkt und wesentliches Projekt beim "Euro-Québec Hydro-Hydrogen Pilot Project" (EQHHPP) ist das James Bay-Projekt im Osten Kanadas bei Québec, wo Wasserkraft mit Hilfe von Staudämmen Energie erzeugen soll und bereits erzeugt.
Der Hochwasserüberlauf des Speichersees "La Grande 2" in der kanadischen Provinz Québec hat eine Länge von 1500 m und eine Breite von rund 120 m. Der Fluß La Grande mündet in den James Bay. Das Bauwerk gehört zum Megaprojekt "James Bay", das weltweit zu den bedeutendsten hydroelektrischen Entwicklungsvorhaben zählt und seit 1971 von der Firma Hydro-Québec betrieben wird. Die Wasserkraftwerke sind das ganze Jahr über in Betrieb, und gegenwärtig liegt die Erzeugungskapazität bei etwa 30.000 Megawatt. Québec deckt damit 98% seines Strombedarfs und versorgt zugleich die Industrieregionen im Nordosten der USA.
Ende der 90er Jahre sollte das Programm eigentlich auf vollen Touren laufen. Da momentan jedoch Geld fehlt, wurde das Projekt verkleinert. Auf Wunsch des Europaparlaments liegt seit Ende 1991 der Schwerpunkt auf der Erprobung von Anwendungs- und Transporttechniken für Wasserstoff, weiterhin gefördert von EU und der Regierung Québecs bis 1998.
Das hört sich beim ersten Eindruck sehr gut an, ist doch die Energieerzeugung mit Wasserkraft eine alternative Form die Reserven an Primärenergieträgern zu verschonen. Anhand dieses Beispiels soll jedoch einmal aufgezeigt werden, daß die Ökobilanz nicht so positiv ist, wie es eventuell erscheint. Eine andere Betrachtungsweise kommt zu ganz anderen Ergebnissen.
Es handelt sich bei dem EQHHPP um ein Projekt, bei dem eine riesige Fläche überflutet wird und wurde, was einen immensen Eingriff in die dortige Ökologie bedeutet, wovon Pflanzen und Tiere, aber auch die dort ansässigen Indianer betroffen sind. Betrachtet man dieses gesamte Projekt als riesiges Kraftwerk, kann man eine Bilanz aufstellen, wie hoch die Emissionen eines Stausees sind.
Wo Landschaft überflutet wird, wird auch Vegetation überflutet. Und diese ertränkten Pflanzen zersetzen sich bei den unter Wasser begrenzten Sauerstoffverhältnissen nur zum Teil vollständig zu Kohlendioxid. Der Rest vergärt zum Endprodukt Methan - als Hauptbestandteil des Sumpfgases. Die klimaerwärmende Eigenschaft des Methans ist sehr viel größer als dies des Kohlendioxids (70fach, bezogen auf Gewichtsverhältnisse; 25fach, bezogen auf Molekülmenge).
Nach Berechnungen einer kanadischen Arbeitsgruppe bedeutet eine 50jährige Nutzung des Sees: Pro Quadratmeter sind in der Vegetation etwa 4,8 kg Kohlenstoff gebunden. Betrachtet man die Zersetzungsrate und errechnet ein CO2-Äquivalent für das Methan, so kommt man schließlich auf einen Schätzwert von 430 - 690 g CO2-Äquivalent pro Quadratmeter und Jahr. Bezieht man diesen Wert noch auf die Leistung des Kraftwerks, ergibt sich eine Emissionsrate von Kohlendioxid und Methan, so daß als Fazit gilt: Dieser See gibt genau so viele Treibhausgase in unsere Atmosphäre wie ein Kohlekraftwerk. [Fenner, 1997]

 


Flughafen München
Am Flughafen München gibt es ein Projekt zum Thema Wasserstofftechnik, das vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie unterstützt und unter der Zusammenarbeit von 13 Firmen (Auflistung s. unten) umgesetzt wird. Der gesamte Projektumfang beläuft sich auf ca. 34 Mio. DM. Es handelt sich dabei um die weltweit erste öffentliche Wasserstofftankstelle am Flughafen München und einen wasserstoffbetriebenen Bus.
Die Vorstellung dieses Vorhabens fand 1996 auf der Hannover-Messe statt. Zwischen Mai 1996 und Februar 1997 war der Bus in Erlangen planmäßig im Liniendienst eingesetzt. Er fuhr 13.500 km und beförderte 60.000 Fahrgäste. Dabei mußte die erst angenommene Reichweite von 250 km auf 140 km korrigiert werden. Seit April 1997 wird der Bus in München im Linienverkehr eingesetzt.
Am 23.9.97 war der Spatenstich für die Wasserstoffanlage. Ab Oktober 1998 ist der Beginn des Testbetriebes der Tankstelle sowie der Einsatz des Busses im normaler Fahrzeugbetrieb vorgesehen. Ab Januar 1999 soll die Gesamtanlage einschließlich der Wasserstoffproduktion ihren Betrieb aufnehmen. Die gesamte Laufzeit ist bis Ende 2000 geplant.
Die Betreiber sprechen von einem Musterbeispiel der Kreislaufwirtschaft, in der zudem unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Motorentechnik und die teilweise vorhandene Infrastruktur für Erdgas erlaubt einen fließenden Übergang vom Erdöl zum Wasserstoff.
Sie sprechen davon, daß ein neuer, ganzheitlicher "Energiekonsens" notwendig sei - und zwar in weit umfassenderem Sinne als in der aktuellen politischen Diskussion. Voraussetzung sei die Bereitschaft der Politik und Gesellschaft zur fairen Zusammenarbeit in Entwicklung, Realisierung und Nutzung über Ländergrenzen hinweg.

Betreiber:
1. Aral: Erstellung Tankstelle, Tankroboter
2. BMW: Entwicklung, Aufbau, Betrieb eines Pkws
3. FMG: Gelände, Betrieb des Busses, Pkws
4. GHW: Lieferung des Elektrolyseurs (95 Nm3/h Wasserstoff)
5. Grimm: Lieferung der Sensorik
6. HDW: Lieferung der Reinigungsanlagen und der Hybridspeicher
7. IAW: Stromversorger
8. Linde: Flüssigwasserstoff-Tankanlage und Pumpstation, Flüssigwasserstoff, LH2-Engineering
9. Mannesmann: Lieferung GH2-Komponenten
10. MAN N: Gelenkbusse
11. MAN T: Gasspeichersystem für Busse
12. Neoplan: Gelenkbusse
13. Siemens: übergeordnete Leittechnik, Prozeßleitsystem SIMATIC PCS 7
 


Ford
Ford arbeitet an der Entwicklung einer leichten, fortschrittlichen Familienlimousine P2000, die als Plattform für neue Limousinen mit Brennstoffzellenantrieb dienen soll. Der Prototyp der P2000 soll im Jahr 2000 fertig sein und mit flüssigem Wasserstoff betrieben werden. Das Antriebskonzept ist ein Hybridmotor (DIATA/Elektro-Hybrid/Brennstoffzelle)
Ford-Chef Alex Trotman erklärte, Ford arbeite schon seit Jahren an Techniken zur Unterstützung der Brennstoffzelle und betrachte "die Brennstoffzelle als eine der wichtigsten Technologien des frühen 21. Jahrhunderts".
Richard Parry-Jones, Vizepräsident der Produktentwicklung von Ford/USA:
"Wir betrachten Brennstoffzellen als die Schlüsseltechnologie, die die Automobilindustrie im frühen 21sten Jahrhundert revolutionieren kann. Die Verbrennungsmaschine war der Standard des mobilen Transports für die letzten 100 Jahre. Es wird jedoch zunehmend schwieriger, diesen weiter zu verbessern. Wir sind optimistisch über die Zukunft von Brennstoffzellenautos, sich den schwierigen Umweltherausforderungen zu stellen. Unter gemeinsamer Anstrengung mit Ballard und Daimler-Benz ist es unser Ziel, den Markteintritt zu beschleunigen."

 


Fuel Cells 2000
Warner Harris entwickelte einen T-1000 Vororttruck, einen Halbtonner-Pick-up mit Hybridmotor. Eine PEM-Brennstoffzelle mit einer Leistung von 6,5 kW von DeNora/Italien wird mit reinem Wasserstoff betrieben und versorgt die Batterie. Die Höchstgeschwindigkeit dieses Fahrzeugs beläuft sich auf ca. 100 km/h.
Harris will 1000 PEM für je 10.000,- DM von Ballard abnehmen und hofft damit den Pick-up für 40.000 - 50.000,- DM anbieten zu können.
 


General Motors
General Motors hat ein Brennstoffzellenprogramm, das ebenso groß ist wie ihre Forschung bei Hybrid- und Elektroautos. Der Opel-Partner betreibt seit Anfang der siebziger Jahre Forschungsprojekte mit Brennstoffzellen.

Am 4. Januar 1998 hat General Motors (GM) auf der Detroiter Autoschau eine Fahrzeugfamilie mit alternativen Antrieben auf der Basis des Elektrofahrzeugs EV1 vorgestellt. Dazu gehörte ein Brennstoffzellen-Antriebssystem für ein Brennstoffzellenauto. Für 1999 hofft GM die Testphase für Fahrzeug beenden zu können, um es 2004 produktionsreif präsentieren zu können.
Der vorgestellte Brennstoffzellen-Hybridantrieb wird mit Methanol, das an Bord des Fahrzeugs in Wasserstoff reformiert wird, angetrieben. Der Drehstrommotor verfügt über eine Leistung von 101 kW/137 PS und ist mit einem GM ATV Gen II-Modul (Antriebselektronik) ausgestattet. Die 44 in Reihe geschalteten NiMH-Batteriemodule dienen als Leistungsreserve und als Speicher für die elektrische Energie aus der Bremsanlage.
Der EV1 verfügt über eine Reichweite von 450 km bei einem Verbrauch von 3 l auf 100 km Benzinäquivalent. Die Karosserie besteht aus einer Leichtbaustruktur mit einer ausgefeilten Aerodynamik und einer energierückgewinnenden Bremsanlage. Damit ist eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h möglich.
 
 

"Es ist unser Plan, alternative Technologien fertig zu haben und dann erst die Wirtschaftlichkeit zu untersuchen" erklärt GM Vice Chairman Harry Pearce die Firmenstrategie auf einer Pressekonferenz am 4. Januar laut einer Reuters-Meldung. Er fährt fort, daß es GM "todernst" sei mit dem Verkauf von alternativen Antriebssystemen. Allerdings fügt er hinzu, daß die Kosten reduziert werden müßten, so daß Käufer sich solche Fahrzeuge leisten können ohne auf Fahreigenschaften verzichten zu müssen.
Ken Baker, Vice President Globale Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, merkt an, daß GM Partnerschaften mit der Mineralölindustrie anstrebt, um diese Familien fortschrittlicher Fahrzeuge einsatzfähig zu machen. "Amoco hat sich schon bereiterklärt, mit uns zusammenzuarbeiten" sagte er in einer Presseerklärung vom 4. Januar 98.

Opel:
Ein Schwerpunkt der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten liegt bei Opel in Deutschland, wo jetzt das "Global Alternative Propulsion Center" (GAPC) eingerichtet wurde. Es ist dem Internationalen Technischen Entwicklungszentrum (ITEZ) in Rüsselsheim angegliedert.
Der Opel Sintra ist mit einem Drehstrommotor mit einer Leistung von 50 kW/68 PS ausgestattet. Sein Leergewicht liegt bei 1800 kg, die er bis auf 150 km/h Spitzengeschwindigkeit beschleunigen kann. Der Methanoltank (40 l) und der Wassertank (20 l) reichen aus für eine Reichweite, die auf dem gleichen Niveau liegt wie bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen. Die Antriebselektronik (GM ATV Gen II-Modul) ist mit integrierter Hilfskraftlenkungs- und Bordnetzversorgung ausgestattet. Der Kompressor verdichtet die Prozeßluft auf den Systemdruck von 3 bar.
In diesem Van sind vier Sitzplätze vorgesehen. Den Bereich der dritten Sitzreihe nehmen Methanol- und Wassertanks sowie weitere Systembauteile zur Kraftstoffaufbereitung ein. Der Mittelplatz der zweiten Sitzreihe wird zur Zeit noch durch den eigentlichen Brennstoffzellenblock ausgefüllt.
 


MAN
MAN Nutzfahrzeuge AG hat einen wasserstoffbetriebenen Bus im Zuge des Euro-Quebec Hydro-Hydrogen Pilot Projekt (EQHHPP) gefördert von der Europäischen Union entwickelt.
Detaillierte Informationen über den von MAN konstruierten Busmotor, der im Zuge des Projektes Flughafen München konstruiert wurde, sind bereits im Kapitel 6.3.3 dargelegt worden. Hier soll auf den von Siemens, Linde und MAN entwickelten Wasserstoffbus eingegangen werden, der auf Basis des MAN Niederflurbusses NL 223 mit Brennstoffzellenantrieb entwickelt wurde (s. Tab. 4).
Der Prototyp soll 1999 fertiggestellt werden und zu Beginn des Jahres 2000 den Probebetrieb bei einem bayrischen Busbetreiber (Stadtwerke Erlangen) aufnehmen.

Die Entwicklung von Wasserstofftechnik fand bei MAN bereits in den Jahren 1992 bis 1995 statt. Bezüglich des wasserstoffbetriebenen Busses ist das Ziel, nicht nur die Praktikabilität und die öffentliche Akzeptanz zu testen, sondern auch eine Abschätzung der Möglichkeiten vorzunehmen, mit diesem Fahrzeug die Luftverschmutzung im Alltagsgebrauch zu reduzieren.
Dieser Niederflurbus (Modell NL) wurde für das Projekt Flughafen München nicht gewählt, da die Speichereinheit auf das Dach muß, dieser Bus jedoch nicht für so eine schwere Dachlast ausgelegt war. Erst der zwei Jahre später fertiggestellte CNG-Bus (MAN SL 202 LH2) erfüllte diese Ansprüche.
 


Neunburg vorm Wald/Oberpfalz
In der Oberpfalz gibt es jetzt seit Jahren eine umfassende Projektanlage, die gleichzeitig mehrere alternative Verfahren testet. Es wird mit einem Gesamtbudget von 145 Mio. DM gefördert vom Bund (mit 35% vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technik und mit 15% vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Verkehr und Technologie). Es kommen in erster Linie Prototypen und Neuentwicklungen zum Einsatz. Die Vielzahl der Teilsystem in ihrem Zusammenwirken macht diese Anlage weltweit einzigartig.
Eigens dafür wurde eine spezielle Gesellschaft gegründet: die "Solar-Wasserstoff-Bayern GmbH" (SWB), an der die Bayernwerk (70%), BMW (10%), Linde (10%) und Siemens (10%) beteiligt sind.
Ziel dieses Projektes ist die Sammlung praktischer Erfahrungen über die im Labor erlangten Erkenntnisse hinaus, um neue Anstöße zur Weiterentwicklung zu erhalten. Übergeordnete Zielsetzung des Solar-Wasserstoff-Projekts ist die Erprobung wichtiger Techniken eines solaren Wasserstoffkreislaufs im industriellen Demonstrationsmaßstab. Unterschiedliche Technologien sollen verglichen und im Zusammenwirken mit anderen Anlagenteilsystemen getestet werden. Für die SWB und deren Gesellschafter stand die Gewinnung von Know-how für Planung, Errichtung und Betrieb entsprechender Anlagen im Vordergrund. Ein weiteres Ziel ist eine qualifizierte und realistische Öffentlichkeitsarbeit mit Informationen aus erster Hand.

Das Projekt:
· Projektüberlegungen seit 1985
· Gründung der Solar-Wasserstoff Bayern GmbH (SWB) 1986
· Projektlaufzeit: 1987-1999
· seit 1992 in Phase 2: neue Komponenten ergänzen konsequent die bestehende Anlage mit neu- bzw. weiterentwickelten Anlagenteilsystemen.

Die Systeme der Phase 1 werden für Langzeiterfahrungen weiterbetrieben.
Ein Testgebiet ist die Gaserzeugung. Ein alkalischer Niederdruckelektrolyseur (Nennleistung 111 kWel) arbeitet mit Kalilauge als Elektrolyt und Polysulfondiaphragma. Er erzeugt maximal 24 Nm3/h Wasserstoff mit einer Reinheit von etwa 99,8 Vol%. Für die Speicherung ist die Verdichtung und Aufbereitung der Gase notwendig. Separate Kompressoren verdichten Wasserstoff und Sauerstoff des drucklos arbeitenden alkalischen Elektrolyseurs auf einen Speicherdruck von bis zu 30 bar.
Im Druckelektrolyseur (Nennleistung 100 kWel) bilden die Elektroden und das oxidkeramisches Diaphragma eine Einheit. Der Zellblock arbeitet in einem Druckbehälter bei 32 bar. Dadurch ist eine Kompression für die Speicherung nicht mehr nötig. Er erzeugt maximal 25 Nm3/h Wasserstoff mit einer Reinheit von etwa 99,5 Vol%.
Der Wasserstoff wird in zwei Wasserstoffbehältern von je 5000 Nm3 bei einem Arbeitsdruck von 30 bar gespeichert. Der Gesamtinhalt der beiden Tanks entspricht dem von rund 1500 l Heizöl. Der Sauerstoffbehälter faßt 500 Nm3. Für die Wartung (z.B. Spülen von gasführenden Anlagenteilen) steht noch ein Tank mit flüssigem Stickstoff zur Verfügung.
Die phosphorsaure Brennstoffzellenanlage (max. Leistung: 79 kWel/42 kWth) ist die einzige ihrer Art, die in Europa in Betrieb ist. Neben der Stromerzeugung ermöglicht sie eine Wärmeauskopplung bei 165°C. Sie kann mit Wasserstoff und Erdgas betrieben werden. Der Brennwert-Gasheizkessel (Leistung 20 kWth) ist ein modifizierter Standardkessel. Der neuentwickelte Brenner im katalytischen Heizgerät (Leistung 10 kWth) besitzt eine externe Vormischung von Brenngas und Luft. Er besteht aus einem Aluminium/Siliziumoxid-Hohlzylinder. Eine katalytisch beheizte Absorptionskälteanlage (Kälteleistung 17 kWth) speist in den Kühlwasserkreislauf der Anlage ein. Die Verbrennung bei niedrigem Temperaturniveau (ca. 800°C) ist die Ursache des sehr geringen Stickoxidgehalts im Abgas.
Weitere Nebensysteme sind z.B. die Lüftung, Leittechnik und eine Analysestation.
In diesem Projekt gibt es noch Teilprojekte wie den von einer Brennstoffzelle angetriebenen Gabelstapler. Eine PEM-Brennstoffzellenanlage (Leistung 10 kWel) treibt einen Serien-Elektrogabelstapler an. Die Wasserstoffspeicherung erfolgt in einem Hybridspeicher, der für ca. acht Stunden Betrieb (20 Nm3 Wasserstoff) ausgelegt ist. Der Oxidant ist Luft.
Außerdem gibt es das Teilprojekt des wasserstoffbetriebenen BMWs. Die Betankung dieses Fahrzeuges (BMW 735i) mit flüssigem Wasserstoff (LH2, -250°C bei Umgebungsdruck) aus dem 3000 l Standardtank erfolgt in ca. 4 Minuten. Eine Tankfüllung von 140 l LH2 (entspricht 40 l Benzin) ermöglicht eine Reichweite von ca. 400 km.
Die "Robottankstelle" ist ausgerüstet mit moderner Sensoren-, Scanner-, und Computertechnik. Dies ist notwendig, da laut BMW Roboter unerläßlich sind zum Tanken von Wasserstoff.

Ergebnisse:
· Weitere umfangreiche Entwicklungsarbeiten bei den Systemen und der Infrastruktur sind noch erforderlich.
· Die Komplexität einzelner Teilsysteme erfordert eine individuelle Planung derartiger Anlagen.
· Aus Sicherheits- und Kostengründen sind Erzeugungs- und Speicheranlagen bevorzugt zentralisiert zu errichten.
· Die Teilsysteme sollten aus Betriebs- und Sicherheitsgründen im Freien betrieben werden.
· Der Betrieb erfordert umfangreiche Sicherheitstechnik und geschultes Personal.
· Die Öffentlichkeit hat ein großes Interesse an Informationen über den Energieträger Wasserstoff (jährlich 15000 Besucher).
· Eine wettbewerbsfähige Serienreife des BMW ist noch nicht gegeben.

Mit den Versuchsergebnissen wurde die LH2-Tankstelle gegenüber der Ausgangssituation im April 1991 so weit optimiert, daß die Zeit für einen kompletten Betankungsvorgang von anfangs über 60 min auf zunächst noch ca. 15 min verkürzt und die während dieses Vorgangs entstehenden Verdampfungsverluste von 30% auf weniger als 10% der übertragenen LH2-Menge gesenkt werden könnten. Eine weitere Verbesserung auf unter 9 min wurde erstmals im Oktober 1994 - seit September 1995 ca. 5 min - mittels neu entwickelter kaltziebbarer Kupplungssysteme erreicht. Folgebetankungen sind innerhalb von 3 min möglich.

Erkenntnisse der Betreiber:
Eine auf Wasserstoff als Energieträger basierende Energiewirtschaft kann nur nach einem erheblichen Ausbau regenerativer Stromerzeugung beginnen.

Kosten:
Studien geben die Kosten für Photovoltaikstrom derzeit mit etwa 2,- DM/kWh an. Der damit gewonnene Wasserstoff würde im günstigsten Fall rund 3,- DM/kWh kosten. Realistisch erscheint eine Halbierung der Photovoltaikkosten in 10-20 Jahren. Dann wäre ein Wasserstoffpreisniveau erreicht, das einem Heizölpreis von 15,- DM/l entspricht.
 


Renault
Im Gegensatz zu den bisher präsentierten Brennstoffzellenfahrzeugen anderer Hersteller wird beim FEVER kein Methanol für den Antrieb verwandt, sondern nur Wasserstoff. Bei einer Reichweite des Tankinhalts von 500 km und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h kann der FEVER für zwei Personen zudem einen mit herkömmlich angetriebenen Autos vergleichbaren Reisekomfort bieten.
Die elektrische Leistung der Brennstoffzelle beträgt 30 kW bei 90 Volt Gleichstrom, die Leistungsdichte liegt bei 130 W/l. Ein Stromrichter wandelt diese 90 Volt um zu einem Strom mit einer Spannung von 250 Volt. Dieser Strom versorgt einen synchronen Elektromotor mit Schleifringanker, dessen Wirkungsgrad 92% beträgt. Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h.
Das System verfügt über eine kurze Reaktionszeit. Bei entsprechender Betätigung des Gaspedals beschleunigt der Renault Fever ohne jegliche Verzögerung. Auch beim Start gibt es keine langen Wartezeiten. Bereits nach fünf bis zehn Minuten Vorwärmzeit hat die Brennstoffzelle ihre normale Arbeitstemperatur erreicht.
Eine wiederaufladbare Batterie nimmt die Bremsenergie sowie andere überschüssige Energie auf. Sie dient dem Anlassen und hält Energie für zusätzlichen Bedarf bei starken Beschleunigungen zur Verfügung. Ein elektronisches Steuersystem, Supervisor genannt, lenkt die Stromerzeugung und ist unter anderem für die Speicherung der Bremsenergie in den Batterien verantwortlich. Die Elektronik kontrolliert und gewährleistet den reibungslosen Ablauf sowie die Sicherheit des Benutzers. Der Wartungsbedarf bei diesem Fahrzeug ist fast gleich null, da die Anzahl der Teile, die in Bewegung sind, stark reduziert ist. Abgase entstehen keine. Aus dem Auspuff kommt lediglich Wasserdampf und es bildet sich geringe Abwärme.
Der Wasserstoff wird in flüssiger Form mit geführt und erst unterwegs in Gas umgewandelt. Das hat gewisse Vorteile gegenüber der komplizierteren Lagerung des Wasserstoffs in Gasform: Gasförmiger Wasserstoff erfordert einen Druck von 700 bar, brächte daher mehr Gewicht und benötigte mehr Platz. Bei Lagerung von flüssigem Wasserstoff kann daher eine größere "Sprit"-Reserve mit geführt werden. Gespeichert wird er in einem Tiefsttemperaturtank bei ­253°C, der durch seine Konstruktion den Inhalt vor Temperaturschwankungen schützt. Da Wasserstoff in flüssiger Form nur 70 Gramm pro Liter wiegt, beträgt das Gewicht des Tankinhalts mit seinen 120 Litern nur acht Kilogramm. Die Reichweite ist vergleichbar mit der von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.
Bisher kostet flüssiger Wasserstoff ungefähr 1,- DM pro Liter. Ein Mittelklassewagen würde ungefähr 24 Liter auf 100 km verbrauchen, was für diese Strecke Spritkosten von 24,- DM bedeutet und damit die Ausgaben bei herkömmlichen Wagen im Augenblick noch übersteigt. Doch ist bei einer weltweit steigenden Nachfrage nach Wasserstoff mit einer deutlichen Senkung des Preises zu rechnen, so daß er zu einem starken Konkurrenten der fossilen Brennstoffe werden kann.
Die Wasserstofflagerung ist weiterhin Gegenstand der Forschung. Das Ziel bei Renault ist die Gewichts- und Platzminderung. Der Einsatz etwa von porösen oder geschichteten Strukturen wie mikroskopischen Kohlenstoffasern könnte dazu führen, daß ein Behälter von 10 kg für die Aufbewahrung von acht Kilogramm Wasserstoff ausreicht. Nun gilt es noch herauszufinden, ob diese Laborergebnisse auch in einer Serienproduktion realisierbar sind. Eine andere Möglichkeit des Transports an Bord besteht darin, Wasserstoff erst unterwegs aus Flüssigkeiten herzustellen, die sehr viel Wasserstoff enthalten - wie etwa Alkohole oder Äther - und einfacher zu lagern sind als Wasserstoff. Technisch ist diese Rückgewinnung durchaus möglich. Eine kleine Gasanlage zerlegt die Moleküle und gewinnt somit den gewünschten Wasserstoff.
Renault hat sich das Ziel gesetzt, die Brennstoffzellen-Technik weiterzuentwickeln, um den Serieneinsatz zu ermöglichen: Raumbedarf, Gewicht und Kosten werden in Zukunft noch weiter reduziert, um Einsatz und Gebrauch der Brennstoffzelle zu verallgemeinern und zu vereinfachen. Die Verwendung teurer Materialien wie etwa Platin im Katalysator der Elektroden soll verringert werden. Gleichzeitig wird auch an der Verbesserung der Fahrzeugleistung gearbeitet. Innerhalb der nächsten 20 Jahre wird daher eine Anwendung auch bei Fahrzeugen des täglichen Bedarfs möglich sein.
Die Forschungsarbeiten begannen schon 1994 mit der Ausarbeitung dieses Projektes. Im Rahmen des europäischen Programms "Joule" widmen sie sich seitdem einem Konzept, das den rationellen Energieeinsatz fördert - wie etwa eine Brennstoffzelle. Die Europäische Kommission fördert dieses zukunftsträchtige Projekt. Ziel war das Know-how, das für Integration und Betrieb einer solchen Zelle an Bord eines Fahrzeugs notwendig ist.
Renault übernahm als Leiter die Koordination der einzelnen Arbeiten und trägt die Verantwortung für das gesamte Projekt. Außerdem führte Renault die Zusammenstellung der einzelnen Elemente und den Umbau des Renault Laguna, der als Basis für den Fever dient, durch.
· De Nora (Italien) entwickelte die Brennstoffzelle.
· Die Ecole des Mines de Paris (Frankreich) hat die Betriebsparameter der Brennstoffzelle definiert, um deren optimalen Wirkungsgrad zu gewährleisten.
· Ansaldo (Italien) montierte die Brennstoffzelle, die Hilfssysteme und den Wasserstofftank.
· Air Liquide (Frankreich) realisierte den Wasserstofftank und den Tankwagen auf der Basis eines Master Renault.
· Volvo (Schweden) hat die Fahrzeugsimulationen, die Batterietests und die Sicherheitsstudien durchgeführt.
 


Toyota
Toyota forscht bereits seit 1971 auf dem Gebiet alternativer Antriebskonzepte.
1996 veröffentlichte der drittgrößte Automobilkonzern der Welt auf der Tokioter Auto Show seinen Prototypen FCEV auf Basis des RAV4 mit einer Leistungsdichte von 167 W/l.
Auf Basis des fünftürigen RAV4 hat Toyota ein Brennstoffzellenfahrzeug vorgestellt, das sich vor allem durch einen neuartigen Treibstoffspeicher auszeichnen soll. Anstelle eines Drucktanks besitzt der RAV4 einen Behälter mit einer speziellen Aluminiumlegierung, die große Mengen an Wasserstoff binden kann. Der Wirkungsgrad liegt bei rund 60%. Durch diese Lösung sollen Platz und Gewicht eingespart werden. So bleiben die fünf Sitzplätze und der Kofferraum des Funcruisers erhalten. Anfangs gab es unzureichende Ergebnisse mit Speichermedien auf Basis von Titan- und Magnesiumlegierungen. Erst die BCC-Aluminiumlegierung (Body-Centured Cubic) brachte nach Meinung der Toyota-Forscher die Wende.
Anstelle von einem Atom, wie in herkömmlichen Nickel-Metallhydrid-Batterien, kann diese Legierung zwei Atome aufnehmen, also doppelt soviel. Der Tank wiegt 100 kg und befindet sich unter den Vordersitzen. Er kann zwei Kilogramm Wasserstoff aufnehmen. Direkt davor befindet sich in den Fahrzeugboden eingelassen die Brennstoffzelle (120 kg). Diese produziert bis zu 20 kW Strom, der zu den Metallhydrid-Batterien im Heck geschickt wird. Sie speisen den vorn installierten Elektromotor, der die Vorderachse antreibt. So soll eine Reichweite von bis zu 250 km möglich sein.
Die zweite Variante von Toyota ist der Methanolantrieb mit Reformer, veröffentlicht im September 1997 auf der Frankfurter Automesse mit einer Leistungsdichte von 193 W/l und einer Leistung von 25kW, die Reichweite beträgt 500 km.
Der Sauerstoff wird der Brennstoffzelle (108 x 50 x 24 cm) über verdichtete, angefeuchtete Luft, der Wasserstoff wird aus dem Methanolreformer zugeführt. Der Reformer ist 30 cm im Durchmesser und 60 cm lang. Eine Nickel-Metallhydrid-Batterie (Ni-MH) mit normalen Spannung von 288 V bildet eine Reserve, um bei Bedarf mehr Leistung zu haben.

Zitat von Toyota-Ingenieur Bill Reinert:
"Daimler-Benz ist eine der eher konservativen Firmen in der Automobilindustrie. Außerdem ist die Fahrzeugindustrie eine der eher konservativen Industriezweige auf der Welt. Wenn nun jemand wie Daimler Millionen von Dollars in diese Technologie investiert und daher kommt und Äußerungen dieser Art macht, muß man sagen, daß dies sehr ernst zu nehmen ist." "Die Automobilindustrie und Konzerne für stationäre Kraftwerke hängen eng miteinander zusammen. Beide sind so groß, daß, wenn die eine Sparte die Brennstoffzelle für sich entdeckt hat, wird sie die andere mit in den Markt hineinziehen."
Toyota-Präsident Hiroshi Okuda:
"Our engineers habe a strong feeling that we will be the first to market." [Geyer, 1998]

 


Tupolev
Im Rahmen des Cryoplane-Programmes von DASA Airbus, Dornier, Tupolev und vielen weiteren Partnern arbeiten seit 1990 deutsche und russische Firmen am Einsatz kryogener Treibstoffe (Flüssigwasserstoff) in der Luftfahrt. Schwerpunkt sind die Arbeiten am Wasserstoff-Demonstrator-Programm auf Basis des Regionalflugzeuges DO 328 mit 34 Sitzen. In der FH Aachen wurde ein Hilfstriebwerk des Typs AlliedSignal GTCP 36-300 auf Wasserstoff umgestellt und im gesamten Leistungsbereich erprobt.
Die grundsätzliche Realisierbarkeit wurde bereits am 15. April 1988 nachgewiesen, als ANTK Tupolev das Laborflugzeug Tu 155 erprobte, dessen drittes Triebwerk alternativ mit Flüssigwasserstoff bzw. Flüssigerdgas betrieben wurde. Als erstes mit flüssigem Wasserstoff betriebenes Flugzeug der Welt startete dieses Exemplar zu einem 21 Minuten dauernden Probeflug in der Umgebung von Moskau.
Bis zum Jahr 2000 soll das Flugzeug auf LH2-Speicherung und Versorgung (Kosten ca. 60 Mio. DM) sowie ein Triebwerk auf LH2-Betrieb (Kosten ca. 40 Mio. DM) umgerüstet werden. Da die künftige DO 328 Version anstatt mit Turboprop- mit Strahltriebwerken von Pratt & Whitney Canada oder von Allied Signal Aerospace ausgestattet werden wird, ist auch die Modifizierung dieses Triebwerkstyps auf LH2-Betrieb vorgesehen. Messer Griesheim soll das kryogene LH2-Betankungssystem entwickeln und liefern. Verschiedene Integrationsmöglichkeiten der Flüssigwasserstofftanks - als Gondeln unter den Flügeln oder als integrierter Tanks über der Passagierkabine - wurden untersucht.

Es ist geplant, diesen Demonstrator im Jahr 2000 anläßlich der EXPO 2000 in Deutschland im Demonstrationsbetrieb, vermutlich zwischen Hannover und München, zu erproben. Nach erfolgreichem Demonstrationsbetrieb, in dessen Verlauf die Funktionsfähigkeit des Triebwerks, die LH2-Speicherung an Bord und die LH2-Handhabung und Betankung am Boden erprobt werden sollen, will man eine Serienversion entwickeln und vermarkten. Erste Gespräche mit europäischen und nordamerikanischen Airlines haben bereits stattgefunden.
Der Energieinhalt von Wasserstoff bezogen auf das Gewicht ist 2,8-mal höher als bei Kerosin, so daß die Nutzlast des Flugzeuges vergrößert werden kann. Das Volumen für gleiche Energie ist aber 4-mal größer, so daß sich Änderungen in der Konfiguration des Flugzeuges ergeben.
[Klug, 1998]

Projektmanager Heinz Klug:
"Spätestens 2002 wollen wir mit einem wasserstoffbetriebenen Flugzeug in der Luft sein."
Danach benötigen wir nur noch drei bis vier Jahre "bei entsprechenden Rahmenbedingungen" zur Serienreife.

 


WEIT
In Hamburg gibt es seit dem Projektstart von WEIT (Wasserstoff-Energie im Island-Transfer) Mitte 1997 mehrere Betriebe, die sich gemeinsam mit der Frage beschäftigen, in wie weit es möglich ist, Wasserstoff durch zu setzten als neuen Energieträger.
In einem Langzeittest wollen 13 Teilnehmer klären, ob z.B. mobile Energieverbraucher von fossilen Treibstoffen problemlos auf Wasserstoff umgestellt werden können. Oder wie sich Wasserstoff als Treibstoff in einem urbanen Transportkonzept bewährt. Dazu sind sechs kleine Lkws umgerüstet worden für den Betrieb mit komprimiertem, gasförmigem Wasserstoff. Eingesetzt werden diese im ganz alltäglichen Betrieb im Hamburger Straßenverkehr.
Der zweite Schritt soll die Herstellung von Wasserstoff mit einbeziehen. Geplant ist, Wasserstoff in Island aus regenerativen Energien zu erzeugen. Mit eingeschlossen ist der Transfer von Island nach Hamburg ab ca. 1999.
 


Zevco
Zevco ist eine belgische Firma, die den Auftrag von der Gemeinde Westminster/London bekommen hat, mehrere batteriebetriebenen Hybridfahrzeuge zu liefern, die mit einer alkalischen Brennstoffzelle angetrieben werden.
Kosten pro Fahrzeug sind vorerst auf ca. 100.000,- DM veranschlagt. Die Gemeinde beabsichtigt zwei Wasserstofftankstellen zu bauen und hat 20-50 weitere Fahrzeuge zur Hälfte des Originalpreises bestellt.

Aktuellere Informationen gibt es im Shop.

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